Dienstag, 09. Juni 2015

Das steirische Weinland

Der Weinbau hat in der Steiermark eine lange Tradition, wobei sich im Lauf der Geschichte Aufschwünge und Rückschritte abgewechselt haben. Heute ist die Steiermark ein etabliertes Weinbaugebiet, dass in den letzten Jahren auch immer wieder international von sich reden machte. Eine kurze Beschreibung.

Schon 400 v. Christus gab es Weinbau in der Steiermark. Die damals ansässigen Kelten nutzten wildwachsende Reben und produzierten daraus Wein. Die Römer kultivierten den Wein und verbreiteten ihn im ganzen Reich, also auch auf dem Gebiet der heutigen Steiermark. Der Weinbau wurde von einigen römischen Kaisern in den Provinzen gezielt gefördert. Das ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die römischen Legionäre Anspruch auf eine tägliche Ration Wein hatten. Da das römische Reich aber zu groß war, konnte diese Ration nicht immer so weit transportiert werden. Also wurde der Wein in den Provinzen angebaut.

Den ersten starken Rückgang des Weinbaus gab es zur Zeit der Völkerwanderung. Aber schon im Mittelalter war der Wein wieder ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts war die Anbaufläche wahrscheinlich am größten. Dann ging sie aufgrund von Kriegen und Seuchen wieder zurück.

Erzherzog Johann war für den steirischen Weinbau sehr wichtig. Er förderte ihn systematisch und lies auch mit unterschiedlichen Rebsorten und neuen Methoden experimentieren. Mit etwa 35.000 Hektar Rebfläche war die Steiermark in der Monarchie ein bedeutendes Weinbaugebiet.

Heute hat die Steiermark eine Rebfläche von 4.200 Hektar. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass sie mit dem Ende der Monarchie ein Drittel ihrer Fläche verloren hat. Der Anteil dieser Fläche beträgt 9 Prozent der gesamten Weinbaufläche Österreichs. Darauf werden 7 Prozent des österreichischen Weins produziert. Die Diskrepanz zwischen diesen beiden Zahlen ist darauf zurückzuführen, dass sich viele steirische Winzer eine Mengenbegrenzung auferlegt haben. Der durchschnittliche Ertrag pro Hektar beläuft sich auf 4640 Liter. Die Winzer produzieren bewusst weniger, was der Qualität zugute kommt.

77 % der steirischen Weine sind Weißwein, 12 % Rotwein und 11 % Schilcher. Die am häufigsten Angebauten Sorten sind Welschrießling, Weißburgunder, Müller-Thurgau, Morillon, Sauvignon blanc, Schilcher und Zweigelt.

Über 50 % der Anbaufläche haben eine Neigung von mehr als 26 %. Diese Hangneigungen machen den Weinbau zu einer besonderen Herausforderung, weshalb auch oft vom steirischen Bergweinbau gesprochen wird.

Da sich das steirische Weinland auf der Südseite des Hauptalpenkamms befindet, gibt es von Norden und Nordosten fast keine klimatischen Störungseinflüsse. Dadurch sind auch die Windbelastung im Winter und die Niederschlagshäufigkeit im Vergleich mit dem Westen geringer. Dem Weinbau kommt außerdem zugute, dass die maximale Sonnenscheindauer in den Hochsommer und Spätherbst fällt. Keine Vorteile ohne Nachteile: Durch die klimatische Lage kann es nämlich zu Kaltluftgefährdungen in nasskalten Kessellagen kommen, was die Frostgefahr erhöht.

In der Steiermark gibt es drei Weinbauregionen. Die Südoststeiermark, die Südsteiermark und die Weststeiermark. In der Südoststeiermark gibt es 1900 Weinbauern, die eine Rebfläche von 1400 Hektar bewirtschaften. Sie wird unterteilt in das Steirische Vulkanland und das Oststeirische Hügelland. Die Südsteiermark ist mit 2200 Hektar flächenmäßig die größte Weinbauregion. In den Großlagen Südsteirisches Rebenland und Sausal gibt es 950 Winzer. Die Weststeiermark ist dagegen mit 500 Hektar und 450 Weinbaubetrieben verhältnismäßig klein. Die Hauptrebsorte dort ist der Schilcher, ein Roséwein, der auf mehr als 80 % der weststeirischen Fläche angebaut wird.