GenussRegion “Wachauer Marille g.U.”

Dienstag, 29. September 2015

GenussRegion “Wachauer Marille g.U.”

In unserer neuen Serie “GenussRegionen” stellen wir jeweils eine Region mit ihren spezifischen geografischen Eigenheiten und ihren erstklassigen Produkten vor. Im ersten Teil dieser Serie geht es um die Wachauer Marille.

Die Wachau liegt am südlichen Rand des Waldviertels. Sie ist vor allem für zwei Produkte bekannt, ihren Wein und ihre Marillen. In diesem Artikel geht es um Letztere. Die Marillen aus der Wachau zeichnen sich durch ein besonders volles, fruchtiges Aroma aus, dass durch die spezifischen Klimaverhältnisse begünstigt wird.

Der Name Marille ist die österreichische Bezeichnung von Aprikosen. Er geht auf die italienische Bezeichnung “armellino” zurück, die wiederum vom wissenschaftlichen Begriff abstammt..

Wie kam es aber dazu, dass in der Wachau Marillen angebaut wurden? Nun, das ist eine lange Geschichte. Sie beginnt in China, der Urheimat der Marille. Dort bauten sie die Chinesen schon 3000-2000 v. Chr. an. Die Frucht verbreitete sich darafhin weiter nach Westen, bis sie schließlich spätestens im 1. Jhdt. n. Chr. an der mittleren Donau ankam.

Der Obstanbau in der Wachau hat eine lange Tradition, da es ihn schon in der Zeit des römischen Reiches nachweislich gab.

In großem Stil wurden Marillen ab 1890 angebaut. Ausgelöst wurde der Trend, lokale Sorten in der Wachau anzubauen, durch die Reblaus. Diese wütete zur damaligen Zeit in den Weingärten der Region und richtete große Schäden an, weshalb viele Weinbauern zu Marillen wechselten.

Seit dem Jahr 2003 gibt es den Verein “Original Wachauer Marille”. Mit dem Namen „Wachauer Marille g.U.“ dürfen nur Früchte bezeichnet werden, die in den Gemeinden Aggsbach-Markt, Albrechtsberg, Bergern im Dunkelsteinerwald, Droß, Dürnstein, Furth, Gedersdorf, Krems, Maria Laach, Mautern, Mühldorf, Paudorf, Rohrendorf bei Krems, Rossatz-Arnsdorf, Senftenberg, Spitz, Stratzing, Weinziel am Wald, Weißenkirchen, Schönbühel-Aggsbach und Emmersdorf angebaut werden.

Heute gibt es auf den Produktionsflächen der Region ungefähr 100.000 Marillenbäume.

Wie bereits erwähnt, wird das hervorragende Aroma der Früchte durch die spezifischen geografischen Eigenheiten der Region begünstigt. Die Wachau liegt an den Ausläufern dreier großer Klimate. Aus dem Osten kommen die Ausläufer des warmen pannonischen Klimas. Gemäßigte Luft kommt aus dem Westen vom Atlantik und aus dem Norden kommen kühle, oft feuchte Luftmassen. Diese drei Einflüsse sorgen dafür, dass eine ständige Luftzirkulation herrscht. Die durschnittliche Jahrestemperatur liegt bei frischen 8,8 Grad Celsius. Da durch die unterschiedlichen Strömungen vor allem zur Erntezeit große Temperaturunterschiede herrschen, wird auch die Ausbildung der Geschmacks-, Aroma- und Inhaltsstoffe beeinflusst. Zusätzlich spielt der Boden eine Rolle. In der Region gibt es hauptsächlich verwitterte Urgesteinsböden, die sich in tieferen Lagen mit Löss mischen.

All dies trägt dazu bei, die Wachauer Marillen zu einer besonders aromatischen Delikatesse zu machen.

Die Marillenbäume blühen zwischen März und Mitte April und werden ab Mitte Juli bis Mitte August geerntet. Die Ernte erfolgt dabei noch in Handarbeit. Das stellt insofern einen großen Aufwand dar, als die Marillenbäume eine folgeartige Reifung haben. Reife Früchte müssen also bis zu fünf Mal pro Jahr mit dem traditionellen Pflückkorb geerntet werden.

Hauptsächlich werden Klosterneuburger Marillen in der Wachau angebaut. Diese gehören zu den Kegelmarillen. Sie sind mittelgroß, 45-60 g schwer und haben eine kegelförmige oder zugespitzte Form. Die Farbe ist honiggelb bzw. gerötet und oft kann man bräunliche und rötliche Punkte finden. Das Fruchtfleisch ist orange bis rötlichorange, fest und saftig.

Marillen haben viele gesunde Inhaltsstoffe. So haben sie den höchsten Gehalt an Provitamin A (Carotin) aller Obstsorten und enthalten auch viel Vitamin B1, B2, C sowie weitere Mineralstoffe.

Die Frischware Wachauer Marille wird zu Marmelade, Nektar, Destillat, Marillenknödel etc. weiterverarbietet. Für die Herstellung dieser Produkte nach alten, überlieferten Rezepturen werden nur Qualitätsmarillen aus der Region verwendet.